Kanaren-Kreuzfahrt Teil II

An meinem zweiten Morgen an Bord blickte ich auf den schneebedeckten Pico del Teide, den größten Berg von Teneriffa. Wir lagen in San Sebastián auf La Gomera. Auf der anderen Seite vom Schiff ragten die Felsen der Insel in die Höhe.

Nach dem Frühstück im Sonnenaufgang saß ich wieder im Bus und begab mich auf einen Ausflug in das Zentrum und den Norden der Insel. Auf dem Programm stand die grüne Seite der Insel. Am Anfang zweifelte ich an dem Beinamen, doch je höher wir kamen, desto grüner wurde es. Dann kamen die Wolken dazu, die fast immer hier oben hängen und für Feuchtigkeit und gelegentlichen Regen sorgen. Und so fuhren wir in den Garajonay-Nationalpark, der den größten zusammenhängenden Lorbeerwald der Welt schützt.

La Gomera ist mit 370 km2 die zweitkleinste Insel der Kanaren und etwa 11 Millionen Jahre alt. Der Garajonay ist mit 1487 m die höchste Erhebung. Der letzte Vulkanausbruch ist hier schon 2 Millionen Jahre her. Die Insel wird vor allem von tiefen Tälern und ab 500 m Höhe von weiten Wäldern geprägt. Der Norden ist regenreich, der Süden trocken.
Etwa ein Viertel der Pflanzenarten, die auf den Kanaren zu finden sind, kommen nur auf diesen Inseln vor und die Hälfte dieser endemischen Arten existieren nur auf einer speziellen Insel.

Nach einem beeindruckenden Fotostopp am wolkenumschwebten Roque de Agando (ein 1251 m hoher Vulkanschlot) drehten wir eine kleine Runde durch den mystischen Lorbeerwald. Die Feuchtigkeit hier oben sorgt für viele Moose und Flechten an den Bäumen und gruselreifen Nebel. Es war natürlich auch wesentlich kühler, als unten im Tal, aber immer noch angenehm.
Als nächstes standen die Chorros de Epina, sieben heilige Quellen, auf dem Plan. Zunächst kosteten wir in einem nahen Restaurant eine lokale Kaffeespezialität, den Barraquito (Espresso, süße Kondensmilch, Liqueur 43, Milchschaum), bevor es einige Stufen zu den Quellen hinab ging. Je nach Legende muss man von links nach rechts von allen oder nur von den geraden bzw. ungeraden Wasserläufen trinken, um mit Glück, Gesundheit und Liebe gesegnet zu werden. Unser Reiseleiter entschied sich für die erste Variante und so stand eine ganze Busbesatzung brav an, um der Reihe nach aus sieben Quellen zu trinken. Glaube versetzt Berge. 😉

Der fast 40 km2 große Garajonay-Nationalpark beherbergt nicht nur die Lorbeerwälder sondern auch subtropische Nadelwälder und viele Tiere und Pflanzen. Er wurde 1981 geschaffen und 1986 zum Weltkulturerbe ernannt. Der nahezu dauerhafte Nebel versorgt die Insel mit der nötigen Feuchtigkeit. Etwa 2/3 des Wassers auf der Insel tropft hier auf den Waldboden.
Auf den Kanaren gab es keine Eiszeit, wie in Europa. Dadurch konnten Pflanzen wie der Lorbeer hier überleben.

Wir hielten noch am Roque El Cano (590 m hoher Vulkanschlot) oberhalb Vallehermoso, bevor wir unser letztes Ziel, das Restaurant am Mirador de Abrante ansteuerten. Das letzte Stück vom Nationalparkzentrum Juego de Bola wurden wir mit einem kleineren Bus gefahren, da es für den großen Bus zu riskant auf der engen Bergstraße war. Wir bewunderten die Aussicht, wurden zügig mit leckeren Tapas, Wasser und Wein versorgt und lernten etwas über die Pfeifsprache El Silbo.
Die gibt es nur auf La Gomera und wird heute wieder in der Schule gelehrt. Es waren drei Reisegruppen vor Ort. Die Reiseleiter vertauschten Personen und Gegenstände und nur ein Kellner beobachtete dies. Der andere kam später dazu und wurde dann mit der Pfeifsprache dirigiert, um alles wieder zu korrigieren. Es funktionierte perfekt und wir waren begeistert. Nach einem kurzen Rundgang durch den kleinen botanischen Garten vom Nationalparkzentrum ging es dann wieder zurück zum Hafen. Ich stieg schon mit anderen im Ort aus und drehte noch eine kleine Runde durch San Sebastián. Ich sah mir die Kirche „Nuestra Senora de la Asuncion“ an und genoss die Wärme, die Sonne, ein Eis und den Blick zum Schiff.

Die Pfeifsprache El Silbo ist typisch für La Gomera. Sie diente der Kommunikation über weite Entfernungen. Die Pfiffe ahmen die Laute der Sprache nach und sind lauter als ein Schrei. Es gibt noch etwa 40 weitere Pfeifsprache auf der Welt. Bei Wikipedia gibt es ein kurzes Hörbeispiel.

Route bei komoot:
Grünes La Gomera

Zum Abendessen an Bord wählte ich diesmal ein Restaurant mit Service am Tisch und aß mit vier Mitreisenden zusammen. Es dauerte ziemlich lange, bis alle Gänge durch waren. Dafür unterhielten wir uns gut.

Die Legende von Gara und Jonay – Wie der Berg zu seinem Namen kam

Die schöne Prinzessin Gara lebte noch vor der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert auf La Gomera. Sie verliebte sich in den armen Bauernsohn Jonay aus Teneriffa. Dieser fuhr aus Liebe täglich auf einem Floß zur Nachbarinsel, um seine Geliebte zu treffen. Doch die Verbindung stand unter keinem guten Stern: Ein Priester sagte den beiden großes Unheil voraus. Als sich beide das Jawort zur Eheschließung geben wollten, schien sich die Prophezeiung zu erfüllen. Ein starkes Erdbeben erschütterte Teneriffa. Der Vulkan Teide spie Lava, das Meer um La Gomera färbte sich blutrot, und die Insel begann zu glühen. Die Adelsfamilie der Prinzessin versuchte daraufhin, die Heirat der beiden zu verhindern und brachte Jonay gewaltsam nach Teneriffa zurück. Seine Liebe jedoch war so groß, dass er wenige Wochen später erneut auf La Gomera landete. Gemeinsam floh das Paar ins Hochland und versteckte sich in den dichten Wäldern hoch oben auf der Insel. Als beide keinen Ausweg für ihre Liebe mehr sahen, nahmen sie eine an beiden Enden gespitzte Lanze aus Lorbeerholz und stießen sie sich durch die Brust. In inniger Umarmung ging das Liebespaar in den Tod. Seit jener Zeit, so sagen die Gomeros, trägt der höchste Berg den Namen Garajonay.


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